Misha Mansoor wurde in Washington D.C. an Halloween Oktober 1984 geboren. Während andere Kinder nur ein wenig Zucker wollten, sammelte der Typ offenbar schon Riffs, die klingen, als hätte jemand Algebra mit einem Presslufthammer vertont. Seine Eltern träumten vermutlich von Politiker, Anwalt, Arzt oder wenigstens irgendwas mit einer verdammten Krawatte. Misha träumte aber von tiefergestimmten Gitarren und Rhythmen, die anderen das Hirn rausblasen. Seine Bar-Mitzvah-Kohle hat er merkwürdigerweise nicht in Aktien gesteckt, sondern in Drums und eine Gitarre. An der Uni in Toronto probierte er erst Soziologie, dann Philosophie. Kurzfassung: Er fand beides ungefähr so spannend wie eine PowerPoint über Steuerrecht und zog die Reißleine. Stattdessen verbarrikadierte er sich in seiner Studentenbude und lud Riffs auf SoundClick hoch, unter dem Namen Bulb. Nicht aus künstlerischem Konzept, sondern weil ihm einfach nichts Besseres einfiel. Das Internet explodierte trotzdem. Gitarrenforen verschütteten kollektiv Bier, und plötzlich war da dieser Typ, der aussah wie der Kerl, der dir auf einer LAN-Party den Rechner repariert, aber gleichzeitig Riffs zusammenschraubte, die nach der digitalen Apokalypse klangen.
2005 gründete er Periphery. Eine Band, die klingt, als hätten Meshuggah und Dream Theater ein Space-Baby bekommen, das mit Energy Drinks statt Muttermilch großgezogen wurde. Line Up Chaos, genug Studio Dramen, um schlechte Reality-Shows zu füllen, nervige Detailarbeiten bis zum Nervenzusammenbruch, und trotzdem kam 2010 das Gebüt. Danach sieben Alben, jedes noch verkopfter, jedes ein weiterer Beweis dafür, dass Misha wahrscheinlich lieber in Taktarten denkt als in ganzen Sätzen spricht. Guitar World setzte ihn auf die Liste der besten 20 Gitarristen der 2010er. Nicht schlecht für einen Typen, der mit Laptop, Interface und sozialem Rückzug angefangen hat. Als wäre das nicht genug, veröffentlichte er parallel unter Bulb einfach mal zehn Soloalben. Elektronik, Orchester, Riff Gewitter, alles gleichzeitig, weil anscheinend Schlaf für ihn nur ein optionales Feature ist. Dazu Haunted Shores, wo er mit Mark Holcomb Musik schreibt, die klingt wie eine Bossfight Phase, und Four Seconds Ago, wo er mit Jake Bowen Synths bastelt, als hätten Depeche Mode und Meshuggah ein digitales Liebeskind gezeugt. Und dann noch OMNOM: sein „Ich hab noch mehr Ideen und zu wenig Ventile“-Projekt. Irgendwie elektronisch, ambient, glitchy, aber geil.
Ob Djent jetzt ein Genre ist oder nur ein Meme mit Drop Tuning, darüber streiten heute nur noch Leute, die zu viel Zeit auf Reddit haben. Misha selbst hat das Thema längst mit einem Albumtitel verarscht und weitergemacht. Während andere ihr Leben lang an „Enter Sandman“ scheitern, haut er weiterhin Noten raus, die klingen, als hätte jemand Matheprüfungen in Musik übersetzt. Sein Soloalbum heißt „Moderately Fast, Adequately Furious“. Was im Grunde die ehrlichste Selbstbeschreibung eines modernen Gitarristen ist: nicht übermenschlich, nicht göttlich, aber definitiv zu nerdig, um aufzuhören.