Geboren und aufgewachsen im schwedischen Örnsköldsvik, wuchs Mårten Hagström in einer Umgebung auf, die so frostig und unerbittlich war wie die Härte seiner späteren Musik. Mitten in der langen, isolierten Dunkelheit des hohen Nordens formte sich früh seine Leidenschaft für komplexe Rhythmen, tonnenschwere Sounds und musikalische Strukturen, die alles andere als Mainstream-tauglich waren. Was als jugendliche fashinanzion für extreme Klänge begann, sollte sich in den späten 1980ern zu einer regelrechten Revolution des Heavy Metal auswachsen. Gegründet 1987 in der Universitätsstadt Umeå, haben Meshuggah über mehr als drei Jahrzehnte und zahlreiche wegweisende Releases hinweg ihren einzigartigen, komplexen Sound entwickelt, erforscht und immer wieder komplett neu definiert. Mårten Hagström stieß kurz nach dem Debüt-Album zur Band und wurde schnell zum rhythmischen Rückgrat einer Formation, die das Genre „Experimental Metal“ im Alleingang in eine neue Dimension katapultierte.
Diese Band hat seit fast zwei Jahrzehnten keinen Ton gespielt, der wie irgendetwas anderes klingt und das ist nicht nur ein Zufall, sondern ihr unverkennbares Markenzeichen. Meshuggah sind eine der wenigen Bands auf diesem Planeten, die kompromisslos querdenken und dabei ganz natürlich die Grenzen dessen verschieben, was wir als „hörbar“ oder „rhythmisch korrekt“ definieren. Sie nehmen künstlerische Risiken in Kauf, vor denen andere zurückschrecken, probieren ständig Neues aus und kreieren dabei Alben, die selbst nach zehn Jahren intensiven Hörens noch neue, versteckte Details offenbaren. Die Legende um Meshuggah kreist dabei nicht nur um die schiere Brutalität ihrer Riffs, sondern vor allem um ihre mathematisch anmutenden, polyrhythmischen Strukturen. Hagström und seine Mitstreiter verbiegen klassische 4/4-Takte, als wären sie aus Gummi, und erschaffen Klanggebilde, die eher an ein mechanisches Getriebe in einem fremden Universum erinnern als an klassischen Rock ’n’ Roll.
Es ist Musik, die den Kopf fordert, während sie den Körper durch die schiere kinetische Energie gegen die Wand drückt. Kein Wunder also, dass selbst die absoluten Weltstars der Szene bei Meshuggah-Konzerten ehrfürchtig am Bühnenrand stehen. Wenn Größen wie Tool, die Deftones, Kirk Hammett und Robert Trujillo (Metallica), Rob Halford (Judas Priest) oder Prog-Gott John Petrucci (Dream Theater) zuschauen, dann tun sie das nicht aus Höflichkeit, sondern um den Meistern beim Sezieren der Zeit zuzusehen. Der Einfluss der Band geht mittlerweile weit über verrauchte Clubs und Festivalbühnen hinaus. Sowohl das renommierte Berklee College of Music als auch das Musicians Institute in Hollywood haben Meshuggah in ihre akademischen Lehrpläne integriert. Dass angehende Profimusiker heute lernen, wie man die rhythmischen Verschiebungen eines Mårten Hagström analysiert, zeigt, wie tiefgreifend ihr Einfluss auf die moderne Musikwelt wirklich ist.
Mårten Hagström ist sozusagen mit Meshuggah zum Studienobjekt für musikalische Genialität geworden. Was mit bescheidenem Selbstvertrauen im kalten Norden Schwedens begann, führte zu einer klanglichen Hinterlassenschaft, die vom Rolling Stone völlig zurecht als eine der „10 wichtigsten Hard and Heavy Bands“ gewürdigt wurde. Meshuggah zu hören bedeutet, sich auf eine intellektuelle und physische Herausforderung einzulassen. Ihr Werk ist in der Welt der Musik ebenso bahnbrechend und fundamental wie Stephen Hawkings Gedanken in der theoretischen Physik. Sie haben nicht nur ein Genre geprägt, sie haben eine neue Art des musikalischen Denkens erschaffen. Mårten Hagström bleibt dabei der ruhige, aber gewaltige Pol im Zentrum dieses Sturms, ein Gitarrist, der bewiesen hat, dass man keine 500 Noten pro Sekunde spielen muss, wenn man stattdessen den Rhythmus selbst in seine Einzelteile zerlegen kann.