Geboren wurde er 1951 in der Bronx, also genau da wo du entweder Rapper, Boxer oder ein völlig durchgeknallter Rockstar wirst. Ace bekam mit 14 seine erste E-Gitarre in die Finger, und wie jeder pubertierende Junge mit zu viel Pickeln und zu wenig Perspektive war es sofort um ihn geschehen. Stones-Fan, Who-geblendet, Cream-geschockt, nach einem Konzert 1967 gab es kein Zurück mehr: Entweder er wird ein verdammter Rockstar oder er macht weiter einen auf Picasso. Spoiler: Das mit der Kunst hatte sich erledigt und die Staffelei wurde in den Keller verbannt. Er spielte sich durch eine Reihe bedeutungsloser Bands und nannte sich ab da nur noch „Ace“, was entweder ein genialer Schachzug oder einfach Narzissmus war. Irgendwann 1973 sah er diese Anzeige für eine „theatralische Hard-Rock-Band“, also KISS. Klingt heute wie ein schlechter Witz, war damals aber seine Eintrittskarte in den Vorhof der Hölle. Ace wurde der Lead-Gitarrist und ab da ging der ganze Scheiß los: Schminke, Plateaustiefel und Pyrotechnik, bei der selbst der Teufel persönlich dumm geguckt hätte. 1978 stand KISS auf dem Gipfel des Größenwahns und alle vier Mitglieder brachten zeitgleich Solo-Alben raus.
Und rate mal, wer den kommerziellen Volltreffer landete und alle anderen leer ausgingen? Richtig, Ace mit „New York Groove“. Er war der einzige, der es schaffte, bei einer der egozentrischsten Bands der Welt noch ein bisschen extra Rampenlicht für sich zu beanspruchen. Aber klar, Ruhm ist ein Parasit, der deine Seele frisst. Als sein Buddy Peter Criss 1980 die Reißleine zog, war Ace schon längst knietief drin im ganz großen Rock'n’Roll-Klischee: Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll plus Alkohol. 1982 stieg er bei KISS aus, oder sagen wir, er taumelte raus, je nachdem, welche Version der Geschichte du glauben willst. Nach KISS tat Ace das, was jeder vernünftige Ex-Rockstar tut: Er gründete „Frehley's Comet“, tingelte durch verräucherte Clubs, vertrödelte Zeit und war eigentlich immer nur einen Millimeter davon entfernt, es nochmal richtig zu schaffen. 1987 kam dann doch das Debüt, mühsam angepasst an den Haarspray-Metal-Sound der 80er, zwischen all den Mötley Crües, Bon Jovis und den anderen Spandex-Göttern dieser Ära. Drei Alben und eine Live-EP später ging ihm schlicht die Puste aus, also flüchtete er zurück zu seiner alten Liebe: der Kunst. Er ging in den verdammten Keller und krallte sich die Staffelei. In Wahrheit spielte er mit merkwürdigen Computer-Grafiken rum.
Er stellte seine Werke aus und wurde beinahe beängstigend seriös. Doch 1995 klopfte die Vergangenheit wieder an. MTV Unplugged, alle vier Original-KISS-Mitglieder wieder in einem Raum, Schminke drauf, Bühne frei und 1996–1997 zerlegten sie als „Alive Worldwide Tour“ alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Ein Comeback, das so krankhaft erfolgreich war, dass die Leute ihr letztes Hemd verpfändet hätten, nur um einmal die Plateauschuhe aus der Nähe zu sehen. Ace blieb dabei bis zum bitteren Ende der sogenannten „Farewell Tour“. Als Gene und Paul schließlich ohne ihn weitermachten und Ace’s heiliges Make-up einfach auf einen neuen Miet-Gitarristen klatschten, war das ein bisschen so, als würde dich deine Ex-Frau durch deinen eigenen Klon ersetzen. Aber Ace wäre nicht Ace, wenn er nicht trotzdem den Mittelfinger gezeigt hätte. Soloauftritte, Gastbeiträge bei den Plasmatics und Kathy Valentine, ein eigenes Label (Bronx Born Records) und 2009 endlich wieder ein fettes Lebenszeichen: Anomaly. Und dann kam das, was kommen musste: seine Abrechnung als Autobiografie. „No Regrets“ keine Reue, nur die nackte Wahrheit über Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll.
2014 wurde es offiziell: KISS zieht in die Rock & Roll Hall of Fame ein. Ace feiert den Moment, bringt „Space Invader“ raus, ein schwerer, dreckiger, verdammt fetter Sound. Dann folgte „Origins Vol. 1“, ein Coveralbum für seine persönlichen Helden: Cream, Thin Lizzy, sogar KISS. 2018 knallte er uns „Spaceman“ vor den Latz, mit der Single „Rockin’ with the Boys“, die tatsächlich noch aus den alten KISS-Tagen stammte. Das nennt man Recycling mit maximalem Stil. Und weil einer nicht reicht, kam 2020 direkt „Origins Vol. 2“ hinterher. 2023 beerdigte KISS sich dann zum gefühlt hundertsten Mal mit zwei Shows im Madison Square Garden. Ace war nicht dabei, aber ganz ehrlich: Er hat die ganze Scheiße ja schon einmal im Original durchlebt. Und 2024? Da haut dieser Typ mit über 70 Jahren nochmal ein Soloalbum raus: „10,000 Volts“. Und das Beste daran: Keine Spur von Rente. Kein winselndes „letztes Album“. Nur ein alter Kerl mit seiner Gitarre, der sich denkt: „Ich hab schon ganz andere Katastrophen überlebt, also lasst uns verdammt noch mal rocken!“