Phil Demmel wurde 1967 in Dublin geboren, nicht dort wo man Guinness trinkt, sondern in Kalifornien USA, einem Ort, der so aufregend war, dass man nur Boss sein konnte, wenn der Rasen 1a gestutzt war. Aber Phil hatte andere Pläne als den Rasenmähermann zu spielen. Während die anderen Kids in der Vorort-Idylle versackten, grub er sich durch die Plattensammlung seines Cousins. Er entdeckte Zeug wie AC/DC und KISS. Das war der Moment, in dem sein Schicksal besiegelt wurde. Sein Gehirn wurde direkt auf High Gain gepolt, noch bevor er wusste, was High Gain bedeutet. Mit 11 Jahren sah er Angus Young im Fernsehen und die Entscheidung war klar wie ein Vodka am Morgen: eine ordentliche Gitarre musste her. Aber sein Vater war kein Fan von Almosen. Also spielte Phil den Paperboy und übernahm die Zeitung. Er quälte sich jeden verdammten Morgen aus dem Bett, setzte sich aufs Rad und nagelte jedem Rentner im Ort ein Ei vor's Schienbein.
Der kleine Phil sparte jeden Cent, bis er 42 Dollar für ein gebrauchtes Saitenbrett zusammenhatte. Er nahm ein paar Stunden Unterricht, merkte aber schnell, dass er keinen Bock auf endlosen Akkord-Unterricht hatte. Also wurde er zum Autodidakten der besonderen Art. Er saß stundenlang in seinem Zimmer und prügelte die Riffs seiner Helden aus den Lautsprechern, bis seine Finger bluteten und die Saiten nach Rost schmeckten. In der Highschool formte er seine ersten Bands On Parole und Metal Warrior, was im Grunde nur Aufwärmübungen für was großes waren. 1985 gründete er Death Penalty. Phil war noch auf der Highschool, aber während seine Mitschüler für Mathe büffelten, goss er das Fundament für Soundwände, die so dicht waren, dass man dazwischen keine Briefmarke durchschieben konnte. Death Penalty klang wahrscheinlich zu sehr nach Gerichtssaal, also wurden daraus Vio-lence, mit dem stylischen Bindestrich, damit auch jeder kapiert, dass hier die Silben wie Kieferknochen gebrochen werden.
Zusammen mit Sean Killian und einer Truppe von Verrückten infiltrierte Phil die Bay Area Szene. Sie spielten in verrauchten Clubs und in Lagerschuppen, die eigentlich abgesrissen gehörten. Auf einmal teilten sie sich mit Metallica und Exodus die Bühnen, wo sie sich ein Wettrüsten um die schnellsten Riffs lieferten. Mit Alben wie Eternal Nightmare (1988) und Oppressing The Masses (1990) schrieben sie Musikgeschichte. Es war eine Zeit ohne Bullshit-Filter, ohne Netz und doppelten Boden. Doch dann kamen die 90er. Grunge rollte über die Szene wie eine Walze aus Selbstmitleid. Die Welt wollte plötzlich keine Shredder mehr, sondern Typen, die über ihre Gefühle jammerten. Vio-lence zerbrach 1993, und Phil stand vor den Trümmern seiner Jugendträume. Nach dem Ende von Vio-lence gab Phil aber nicht auf.
Er gründete Torque und später Technocracy, aber der große kommerzielle Erfolg blieb aus. 2002 war er an einem Punkt angekommen, den man nur als ganz normalen Dienstag Nachmittag bezeichnen konnte. Ehe im Arsch, kein Geld in der Tasche. Er war kurz davor die Gitarre endgültig an den Nagel zu hängen und sich einen „echten“ Job zu suchen. Genau in diesem Moment kam der Anruf von Machine Head. Ahrue Luster war raus, und Robb Flynn brauchte jemanden, der den Dreck der Bay Area im Blut hatte. Phil stieg sofort ein, zuerst nur als Aushilfe für die Through The Ashes Of Empires-Tour. Aber er brachte diesen Thrash-Spirit zurück, den die Band fast verloren hatte. Er wurde festes Mitglied und was folgte, war eine 16-jährige Ära der Dominanz. Sie veröffentlichten The Blackening (2007), ein Album, das so massiv war, dass es heute in jedem Metal-Lehrbuch als Goldstandard gilt.
Und wir reden hier nicht über hübsche Melodien oder Lagerfeuer-Gitarre. Phil schrieb Riffs, die sich anfühlten wie ein akustisches Chainsaw-Massaker. Er tourte durch 40 Länder, spielte auf dem Ozzfest und dem Download Festival und holte sich 2008 eine Grammy-Nominierung ab. Aber Ruhm ist eine Diva. Hinter den Kulissen wurde die Band immer mehr zur Ein-Mann-Show. Phil fühlte sich irgendwann nur noch wie ein Statist in seinem eigenen Leben. Nach der Aufnahme von Catharsis (2018) und einer letzten, schmerzhaften Tour zog er die Reißleine. Er ging, um seinen Verstand und seine Würde zu retten. Wer dachte, der Ex-Paperboy würde sich nun zur Ruhe setzen, hatte keine Ahnung. Er wurde zum gefragtesten Joker der Metal-Welt. Er sprang bei Slayer ein, als Gary Holt die Gitarre einpackte, er übernahm den Bass bei Lamb of God und half bei Testament und Overkill aus. Er bewies, dass er keine Band brauchte, um eine Naturgewalt zu sein.
Er reanimierte Vio-lence für legendäre Reunion-Shows auf der 70000 Tons of Metal Cruise und veröffentlichte 2022 mit ihnen neues Material. Er gründete die Supergroup BPMD, um alten Rock-Klassikern die Eier langzuziehen, und startete Category 7 mit John Bush. Sein größter Coup war jedoch der Einstieg bei Kerry King. Er bereitete sich vier Jahre lang im Geheimen vor, lernte die Riffs, während die Welt stillstand, und lieferte 2024 mit From Hell I Rise ein Brett ab, das selbst den Teufel zum Headbangen brachte. In all dieser Zeit blieb Phil einer Marke treu: Jackson Guitars. Seine Signature-Modelle, die Demmelition King V und die Fury, waren das direkte Resultat dieser jahrzehntelangen Schlacht. Er brauchte Instrumente, die wie unzerstörbare Präzisionswaffen funktionierten. Er setzte auf EMG-Pickups, weil er keine Lust auf „Vintage-Gequatsche“ hatte. Er wollte einen Ton, der tight, aggressiv und gnadenlos war. Seine Gear-Wahl war wie seine Karriere: Keine Kompromisse, keine Ausreden, einfach nur maximale Wirkung.