Josh Middleton erblickte am 1. Juni 1987 in Reading das Licht der Welt, ein Ort, der so britisch-unauffällig ist, dass man eigentlich nur zwei Optionen hat: Entweder man wird Buchhalter oder man baut sich Riffs, die so viel Energie liefern, dass sie den Ärmelkanal austrocknen. Josh entschied sich für Option B. Sein eigentliches Leben startete in dem Moment, als eine verzerrte Gitarre in seinem Kinderzimmer einschlug wie ein Meteorit, der die verdammten Dinosaurier auslöschte. Während andere Kids sich mit den Alltagsbanalitäten des englischen Vorstadtlebens abfanden, war Josh auf „Heavy Metal“ programmiert. Er begriff früher als der Rest, dass normale Musik eine einzige, weichgespülte Lüge ist, wenn man eigentlich Blitze, Donner und Aggression im Kopf hat. Er prügelte sich durch Metallica und Iron Maiden, nicht um sie brav nachzuspielen, sondern um zu sezieren, wie man Schmerz und jugendliche Wut in chirurgisch präzise Dezibel verwandelt. Im Jahr 2000, wir reden hier von einer Zeit, in der der Rest der Welt noch mit dämlichen Pokémon-Karten dealte oder sich über das Ende von „Friends“ den Kopf zerbrach, gründete Josh im zarten Alter von 13 Jahren die Band Sylosis.
Er wollte technischen Metal spielen, bevor das Genre überhaupt wusste, dass es wieder cool werden darf. Er war von Anfang an der Frontmann, der Lead-Gitarrist, der Songwriter und wahrscheinlich auch die Freundin, die ihm nach den Proben die Eier schaukelte. Nicht, weil er ein Kontrollfreak war (okay, vielleicht ein bisschen), sondern weil niemand sonst in seiner Postleitzahl bereit war, sich so gnadenlos für eine musikalische Vision aufzuopfern. Sylosis wurde zu einem Bastard aus Thrash, Death und progressivem Wahnsinn. Eine Mischung, die viel zu komplex war, um jemals im Radio zwischen Ed Sheeran und Autotune-Müll zu laufen. Und genau deshalb wurde sie zur wichtigsten Waffe der britischen Metalszene. Josh feilte im Hintergrund an seinem zweiten Talent: der Produktion. Er wollte nicht nur wissen, wie man brutal klingt, sondern warum es physikalisch wehtut. Er wurde zum absoluten Nerd für Frequenzen, Mikrofonierungen und Gitarrenlayering. Er brachte sich Mixing und Engineering bei, bis er verstand, wie man eine Platte so zusammenschraubt, dass der Sound jedem Zuhörer mit einem akustischen Vorschlaghammer die Zähne neu sortiert.
Als 2017 der Anruf von Architects kam, stand die Metal-Welt kurz still. Nach dem tragischen Verlust ihres Gründers Tom Searle brauchte die Band keinen Session-Musiker, der nur stumpf die Tabs abliest. Sie brauchten einen chirurgischen Eingriff am offenen Herzen. Josh Middleton trat ein, erst als Live-Hilfe, dann als fester Architekt des Sounds. Er brachte diese unheimliche, klinische Präzision mit, die Alben wie Holy Hell oder For Those That Wish to Exist in den Olymp hievte. Er bewies, dass man auch in einer der größten Metalcore-Bands der Welt noch Riffs spielen kann, die klingen, als würden sie dein Rückgrat digital formatieren. Aber wer zwei Weltklasse-Bands gleichzeitig am Laufen hält, während er nebenbei noch die halbe britische Szene produziert, der blutet irgendwann emotional aus. 2023 zog er den Stecker bei Architects, ohne das übliche Rock-Drama, ohne weinerliche Instagram-Posts, sondern mit der kalten, harten Klarheit eines Mannes, der weiß, dass seine wahre Bestimmung in der absoluten kreativen Kontrolle liegt. Er hat Ballast abgeworfen, kehrte voll und ganz zu Sylosis zurück und konzentrierte sich auf seine Karriere als Produzent und Mentor.
Heute ist Josh Middleton ein wandelndes Gütesiegel. Wenn er auf Plattformen wie Nail The Mix auftaucht, halten die Leute die Luft an. Er ist kein Poser, der dir erzählt, wie „spirituell“ sein Spiel ist. Er ist der Typ, der dir erklärt, warum dein Low-End matscht und wie du deine Gitarre so aufnimmst, dass selbst die Saitenhersteller vor Ehrfurcht erzittern. Er spricht über Gear, Sounddesign und die Philosophie hinter Heavy Music mit einer Leidenschaft, die dich entweder inspiriert oder dich dazu bringt, deine Gitarre direkt bei eBay zu inserieren, weil du merkst, wie viel du noch lernen musst. Nach all den Jahren, den Touren um den Globus und den Rückschlägen wirkt Josh Middleton immer noch so, als würde er gerade erst den Verstärker warmlaufen lassen. Er ist ein Musiker, der seine eigene Schneise in die Geschichte des modernen Metals schlägt, kompromisslos, detailverliebt, schwer wie ein Panzer und verdammt echt. Er gehört dorthin, wo Gitarren zu Waffen umgeschmiedet werden und wo Technik nicht zum Selbstzweck verkommt, sondern zum Vehikel für pure, unfiltrierte Wut wird. Genau dort, wo Josh Middleton schon immer zu Hause war.