Geboren in Rio de Janeiro, einer Stadt, die weltweit eher für Caipirinhas, die Copacabana und den exzessiven Karneval bekannt ist als für tiefergelegte Gitarren und gnadenloses Double-Bass-Geballer, war Kiko Loureiro von Anfang an ein Außenseiter im besten Sinne. Während der Rest der Stadt am Strand den nächsten Fußballstars hinterherjagte oder versuchte, den zehntausendsten Bossa-Nova-Hit in die Welt zu säuseln, saß Kiko in seinem Kinderzimmer und prügelte Skalen in sein Hirn, bis die Epilepsie einsetzte. Er begriff früher als alle anderen, dass man Traditionen nicht bewahren muss, indem man sie in Watte packt, sondern indem man sie mit 100 Watt Röhrenpower füttert. Schon früh zog es ihn nicht nur zu den klassischen brasilianischen Rhythmen, sondern zu allem, was laut, komplex und gefährlich schnell war. Die Gitarre wurde zu seinem Sprachrohr und er lernte, sie fließender zu sprechen als seine Muttersprache.
Mit gerade einmal 19 Jahren schloss er sich der brasilianischen Progressive-Metal-Band Angra an. Aber Kiko war nicht der Typ, der sich mit dem üblichen Drei-Akkorde-Riff zufrieden gab, nur um den Kids zu gefallen. Er nahm das Unmögliche in Angriff: Er verschmolz brasilianische Rhythmik, Jazz-Harmonien und Heavy Metal zu einem Hybrid-Sound, der so eigenwillig und technisch anspruchsvoll war, dass selbst die arrogantesten Shredder nervös an ihren Plektren zuckten, wenn er die Bühne betrat. Doch wer glaubt, dass Kiko sich auf dem Erfolg einer Band ausruhen würde, hat seinen höllischen Ehrgeiz unterschätzt. Ihn trieb nicht der billige Durst nach Fame oder die Jagd nach Groupies an, ihn trieb die musikalische Besessenheit.
Er startete eine Solo-Karriere, die bis heute vier Alben hervorgebracht hat, auf denen er alles ausprobierte, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Latin, Fusion, Jazz, Metal, Kiko warf alles in den Schmelztiegel und bewies, dass technischer Perfektionismus keine klinische Kälte bedeuten muss, wenn man das Feuer von Rio im Blut hat. Der internationale Ritterschlag folgte prompt: Ibanez nahm ihn in den exklusiven Gitarren-Olymp auf. Gemeinsam entwickelten sie die Ibanez KIKO100, seine persönliche Signature-Waffe, mit der er live und im Studio seitdem alles kurz und klein schlägt, was auch nur entfernt nach einem Standard-Powerchord riecht. Als er 2015 schließlich der Thrash-Metal-Legende Megadeth beitrat, war die Sensation perfekt.
Er bewies der Welt, dass südamerikanische Leidenschaft und der unterkühlte, amerikanische Thrash-Stahl von Dave Mustaine eine Kombination sind, die absolut keine Gefangenen macht. Heute lebt Kiko in den USA, unterrichtet eine neue Generation von Gitarren-Freaks und Nerds, komponiert und tourt rund um den Globus. Er ist einer der wenigen Musiker, die es schaffen, technische Brillanz mit echtem kulturellem Tiefgang zu vereinen, ohne dabei wie ein langweiliger Musiklehrer zu wirken. Wenn Musik ein brasilianisches Churrasco-Buffet wäre, dann wäre Kiko der Typ, der dir das feinste Rinderfilet mit einer einzelnen E-Saite präzise vom Knochen trennt und dir das blutige Stück auf einen verdammten Teller serviert. Das schmeckt nicht nur, das haut auch richtig rein. Zusammengefasst: Kiko Loureiro serviert dir hochglanz Gitarren-Pornografie mit der Präzision eines Chirurgen und der Wucht einer überdimensionalen Abrissbirne.