Kerry King wurde 1964 in Los Angeles geboren und hätte statistisch gesehen ein vollkommen harmloser Typ werden müssen. Zwei ältere Schwestern, Eltern mit normalen Jobs, keine kaputte Kindheit, keine Ghetto Story, kein Trauma. Eigentlich die schlechteste Ausgangslage für jemanden, der später als Ikone des extremsten Metals gelten will. Kerry war sogar gut in der Schule. Richtig gut. Mathepreis, Vorzeigeschüler, potenzieller Ingenieur. Das Universum hatte einen Excel Nutzer geplant. Aber Kerry hatte andere Pläne, denn es kamen Mädchen, Hormone und Rockmusik und die komplette akademische Zukunft wurde mit einem inneren Schulterzucken entsorgt. Nicht aus Rebellion, sondern aus Prioritätenverschiebung. Zahlen verloren einfach gegen Brüste. Mit 13 bekam er eine Gitarre, offiziell als sinnvolle Freizeitbeschäftigung, inoffiziell als erste Stufe in Richtung musikalische Selbstzerstörung. Die erste Nummer war Cat Scratch Fever. Danach Judas Priest, Van Halen, alles was laut war und nach potenzieller Gefahr roch.
Eddie Van Halen wurde sein erstes großes Idol, was ironisch ist, weil Kerry später alles verkörperte, was Eddie nicht war: kein Lächeln, keine Party Gitarren, kein Spaß, sondern Dauerkriegszustand auf sechs Saiten. Gleichzeitig entwickelte Kerry früh ein Talent für Desillusionierung. Seine Eltern schickten ihn mal zur Sonntagsschule. Eine Woche später war er raus. Selbst als Kind hatte er schon ein feines Gespür für richtig Bullshit. Während andere Teenager rebellierten, wusste Kerry nicht mal wogegen. Keine kaputte Familie, keine echten Probleme. Einfach nur Langeweile in Reinform. Also suchte er sich das dunkelste Zeug, das er finden konnte. Venom, Satan, Totenköpfe, Dämonen, alles was garantiert Ärger macht. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Prinzip. Kerry mochte es, wenn Leute sich aufregen. Er mochte es noch mehr, wenn sie dabei behaupteten, tolerant zu sein. Für ihn war das immer der größte Witz: Menschen, die Freiheit predigen und dann bei einem verdammten Songtitel Schnappatmung bekommen.
Slayer entstand nicht aus Vision, sondern aus Zufall, Nachbarschaft und der simplen Idee, einfach schneller und böser zu spielen als alle anderen. Es gab keinen Masterplan, kein Genre, kein Businessmodell. Thrash Metal wurde ihnen später rückwirkend aufgeklebt, wie ein Etikett auf eine Waffe, die längst feuert. Die ersten Reaktionen waren pure Ablehnung. Kritiker hassten sie, Szenegrößen lachten sie aus, normale Menschen verstanden sie nicht. Kerry fand das perfekt. Für ihn war Erfolg nie Applaus, sondern Irritation. Wenn Leute sich beschwerten, wusste er, dass er auf dem richtigen Weg war. Reign In Blood gilt heute als Bibel des Thrash. Kerry sah darin einfach nur zehn weitere Songs. Kein Meilenstein, kein Denkmal, kein Kunstprojekt. Einfach die nächste Ladung Riffs. Und genau das ist der Kern seiner Karriere: Kerry hat nie versucht, Geschichte zu schreiben. Er hat einfach nur das gemacht, was er wollte, und die Geschichte kam ihm irgendwann hinterher wie ein überforderter Praktikant. Angel Of Death machte Slayer endgültig berüchtigt.
Skandale, Vorwürfe, Empörung. Kerry lachte. Für ihn war das der ultimative Beweis, dass Menschen gerne so tun, als wären sie aufgeklärt, aber innerlich extrem dünnhäutig sind. Seine komplette Weltsicht lässt sich auf einen Satz reduzieren: Die meisten Menschen sind Heuchler mit moralischem Filter und sehr wenig Selbstreflexion. Seine Texte sollten nie belehren, sondern triggern. Wenn du dich aufregst, hat der Song seinen Job gemacht. In den Neunzigern, als Metal sich selbst peinlich fand und Nu Metal die Welt überschwemmte, saß Kerry da und war beleidigt. Nicht verletzt, nicht traurig, sondern wirklich persönlich angepisst. Limp Bizkit war für ihn musikalischer Kulturunfall. Diabolus In Musica wurde seine kreative Tiefphase, weil er sich innerlich fragte, warum er überhaupt noch Musik macht, wenn das der neue Standard ist. Trotzdem blieb Slayer Slayer. Keine Imagewechsel, keine Experimente, keine Anpassung. Fans blieben genau deshalb. Nicht wegen Innovation, sondern wegen seiner gottverdammten Sturheit.
Politisch ist Kerry King das genaue Gegenteil von jedem Social Media Profil. Er passt in keine Schublade und hat auch kein Interesse daran. Er verachtet Faulheit, glaubt an Eigenverantwortung, hält Religion für die größte kollektive Lüge der Menschheit, fand Trump peinlich, Hillary langweilig und Politik insgesamt für eine Art Wrestling Show für Erwachsene. Sein Weltbild ist brutal simpel: Du bist selbst verantwortlich. Niemand rettet dich. Kein Gott, kein System, keine Ideologie. 2019 löste sich Slayer auf. Nach fast vierzig Jahren Lärm hätte Kerry bequem in Legendenstatus einfrieren können. Tattoo Studio, Merch, Podcast, Nostalgie Touren. Stattdessen kam 2024 From Hell I Rise. Kein sanftes Alterswerk, kein Akustikalbum, keine Midlife Krise. Einfach Kerry King ohne Filter. Immer noch laut, immer noch wütend, immer noch allergisch gegen alles, was nach Kompromiss riecht. Kerry King ist im Kern kein tragischer Held, kein missverstandenes Genie, kein rebellischer Outsider. Er ist einfach ein extrem konsequenter Typ.