Robby Krieger wurde irgendwann an einem Winter 1946 in Los Angeles geboren, in eine jüdische Familie, und eigentlich hätte aus ihm genauso gut ein Physikprofessor oder ein sitarspielender Yoga Guru werden können. Stattdessen wurde er der einzige Gitarrist der Rockgeschichte, der Flamenco, Blues, Jazz und Psychedelic Rock so selbstverständlich miteinander vermischt hat, dass es klang, als hätte jemand vier Musikrichtungen in einen Mixer geworfen und aus Versehen ein Meisterwerk produziert. Sein erster musikalischer Crush war nicht Rock, sondern klassische Musik. Dann kam Flamenco. Sabicas, Mario Escudero, Carlos Montoya. Robby wollte ursprünglich eher spanischer Gitarrenromantiker werden als Rockstar. Blues kam erst später, in der Highschool, mit Blind Willie Johnson, Blind Willie McTell, Robert Johnson. Dazu Bob Dylan, Folk, Woody Guthrie. Kurz gesagt: Der Mann war musikalisch so breit aufgestellt, dass es ein Wunder ist, dass er überhaupt noch wusste, wie man auftrecht steht. Während andere Gitarristen in seinem Alter versuchten, Mädchen mit Pentatonik zu beeindrucken, studierte Robby Physik und indische Musik an der UCLA.
Dort traf er John Densmore. Zwei Typen, die Blues improvisierten und eigentlich keine Ahnung hatten, dass sie kurz davor waren, Musikgeschichte zu schreiben. Dann kam Ray Manzarek dazu. Und schließlich der gute alte Jim Morrison, der aussah wie ein surfender Dichter auf Dauertrip und sich auch genauso verhielt. The Doors waren geboren. Keine Bassgitarre. Keine Sicherheitsnetze. Kein Bullshit-Filter. Robby musste gleichzeitig Rhythmus, Harmonie und Lead spielen. Was andere als Problem sehen würden, wurde sein größter Vorteil. Er entwickelte einen Stil, der mehr Raum ließ als die Villa von Bill Gates. Mehr Atmosphäre. Mehr Trance. Mehr Spaß. Er schrieb Light My Fire, Love Me Two Times, Touch Me, Love Her Madly. Also im Grunde den halben Soundtrack der späten Sechziger. Und das Absurde daran: Er war nie der Typ, der sich in den Vordergrund drängte. Während Morrison den Rockstar spielte und die Welt provozierte, stand Robby daneben und spielte fleißig diese hypnotischen Linien, die alles zusammenhielten. Wie der ruhigste Mensch im Raum, der zufällig die gefährlichste Musik macht.
Nach Morrisons Tod 1971 überlebte die Band noch eine kurze Zeit, zerfiel dann aber endgültig. Robby spielte mit Densmore in der Butts Band, veröffentlichte Solo Alben, wurde Jazz Fusion Gitarrist, machte genau das, worauf er Bock hatte. Kein Comeback Zwang. Kein Nostalgie Gefängnis. Stattdessen Fusion, Improvisation, Soundtracks, Jam Sessions. Er spielte mit Gov’t Mule, Alice In Chains, und im Grunde mit jedem, der verstanden hat, dass dieser Typ kein Museumsstück ist, sondern ein lebendiges Instrument. Und dann, fast schon ironisch, gründete er mit über 70 eine neue Band. Robby Krieger And The Soul Savages. Alte Schule. Freunde im Studio. Kein Click Track Terror. Kein TikTok Marketing. Einfach Groove. Soul. Funk. Jazz. Psychedelic. Leute in der Band, die mit Aretha Franklin, Stevie Wonder, Chaka Khan, Lenny Kravitz gespielt haben. Also nicht gerade Anfänger. Robby sitzt in seinem eigenen Love Street Studio und macht genau das, was er sein ganzes Leben gemacht hat: Er spielt Musik, als würde die Zeit nicht existieren. Seine Gitarre war dabei immer eine SG. Nicht weil sie besonders glamourös war, sondern weil sie das war, was er sich leisten konnte.
Später natürlich Gibson ES Modelle, Custom Shop, Signature Modelle. Aber die SG blieb sein Zuhause. Die Originale wurde ihm gestohlen. Was irgendwie perfekt zu seiner Karriere passt. Keine Ikone im Safe. Alles im Fluss. Heute spielt er eine 67er SG, praktisch identisch, sagt er. Und Gibson hat ihm sogar eine Signature gebaut, basierend auf genau diesem Modell. Die Luxus Version seines alten Arbeitstiers. Privat ist Robby seit 1972 mit Lynne verheiratet. Die hatte vorher kurz etwas mit Jim Morrison. Was vermutlich die entspannteste Dreiecksbeziehung der Rockgeschichte ist, wenn man bedenkt, dass sie trotzdem über 50 Jahre gehalten hat. Ein Sohn, Waylon. Kein Skandal Zirkus. Kein Rockstar Chaos. Nur Musik. Rolling Stone nennt ihn einen der größten Gitarristen aller Zeiten. Nicht wegen Geschwindigkeit, sondern wegen Stil. Wegen Eier aus Stahl. Wegen dieser seltsamen Mischung aus Flamenco, Jazz, Blues und psychedelischem Wahnsinn. Robby Krieger ist der Beweis, dass man kein Gitarrenheld sein muss, um unsterblich zu werden. Man muss nur den Mut haben, anders zu klingen als alle anderen und damit nie aufzuhören. Und genau das tut er bis heute. Ohne Drama. Ohne Nostalgie. Einfach mit verdammt viel Groove.