Dave Grohl ist so eine Art musikalischer Forrest Gump. Egal wo in der Rockgeschichte etwas Großes passiert, irgendwann steht dieser Typ mit zerzausten Haaren, breitem Grinsen und Schweiß in der Arschritze daneben und sagt: „Ja stimmt, da war ich auch.“ Geboren 1969 in Ohio, aufgewachsen mit einer alleinerziehenden Mutter, die Lehrerin war, aber nebenbei offenbar auch die beste Karriereberaterin der Rockgeschichte. Ihr wichtigster Tipp: „Geh zu Nirvana aber erschieß dich nicht.“ Danke, Mom. Besser wird’s nicht mehr. Grohl war nie der Typ für Schule. Bücher waren langweilig, Musik war Leben. Mit zwölf bekam er seine erste Gitarre, so ein Silvertone-Teil mit eingebautem Verstärker im Koffer. Während andere Kinder Hausaufgaben machten, lernte er Smoke on the Water und spielte in Coverbands The Who und Rolling Stones, bis er die lokale Hardcore-Szene in Washington D.C. entdeckte. Dort lernte er, dass echte Musiker auf Matratzen schlafen, von Nachos leben und ihre Drumsets selbst die scheiß Treppe hochschleppen.
Weil er kein Schlagzeug hatte, drosch er gerne auf Kissen ein. Das erklärt im Nachhinein diesen atomaren Drumstil, der klingt, als würde jemand mit einem Presslufthammer auf ein Atomkraftwerk einschlagen. Mit 17 log er sich bei Scream rein, behauptete einfach, er sei 20, und Dave tourte plötzlich um die Welt. Danach kam der entscheidende Anruf, der sein Leben komplett änderte. Buzz Osborne von den Melvins sagte sinngemäß: „Hey, da gibt’s so eine Band in Seattle, die brauchen dringend einen guten Drummer.“ Diese Band hieß Nirvana und ihr Sänger war Kurt Cobain. Kurz darauf kam Nevermind, Smells Like Teen Spirit, und die Welt verschüttete kollektiv Bier. Dave war plötzlich Teil der größten Rockband des Planeten und drosch seine Drums, als würde er persönlich den Kapitalismus bekämpfen. Dann kam 1994. Cobain ist tot. Ende der Band. Ende der Illusion. Dave war 25, reich, berühmt und komplett orientierungslos. Jeder wollte ihn als Drummer haben, aber jedes Mal, wenn er sich an ein Schlagzeug setzte, sah er Nirvana vor sich. Also tat er das einzig Vernünftige: Er machte alles selbst.
Schrieb Songs, spielte alle Instrumente, sang und nannte das Ganze Foo Fighters. Ausgerechnet der Typ, der hinter einem Drumset berühmt wurde, stellte sich plötzlich nach vorne an das verdammte Mikro. Was wie ein Nebenprojekt aussah, wurde zur zweitgrößten Karriere nach den Beatles. Gitarren, Stadionhymnen, tausende Konzerte, Millionen Fans und diese Videos, die immer aussahen, als hätten fünf pubertierende Jungs Zugriff auf eine Filmkamera bekommen. Parallel dazu spielte Grohl gefühlt in jeder Band, die ihm ein Bier anbot. Queens of the Stone Age, Killing Joke, Nine Inch Nails, Garbage. Metal-Helden wie Lemmy, Slayer, Sepultura, Motörhead waren seine eigentliche Religion. Für Probot holte er sich seine Idole ins Studio, einfach weil er es konnte. Während andere Rockstars an Überdosen starben, hörte Dave mit 20 auf mit Drogen, weil sie ihm „zu creepy“ wurden. Sein Laster heute: Whisky. Crown Royal. Am liebsten mit Cola. Oder pur. Je nach Tagesform. Was ihn unterscheidet von 90 Prozent aller Musiker: Er sieht das alles nicht als Job. Für ihn ist das Urlaub mit Gitarren.
Er glaubt nicht an Karrieren, sondern an Musik. An Spaß. An Lautsein. An den Moment, wenn 50.000 Leute im Stadion jede Zeile mitsingen und man sich denkt: „Das ist völlig absurd und komplett großartig.“ Und trotz Nirvana, trotz Trauma, trotz Weltruhm wirkt Grohl bis heute wie jemand, der immer noch einfach nur froh ist, dass er nicht in einem Büro sitzt. Sein größter Song? Smells Like Teen Spirit. Er weiß, dass er zur Karikatur geworden ist, zur Generation-X-Hymne, die sich wie ein Virus verbreitet hat. Aber er erinnert sich an den ersten Auftritt vor 300 Leuten in Seattle. Der Raum ging hoch. Pure Energie. Chaos. Schweiß. Und genau das ist Dave Grohl in Reinform: Ein Typ, der eigentlich nur Musik machen wollte und dabei aus Versehen zweimal die Rockgeschichte umgeschrieben hat. Ohne Plan. Ohne Strategie. Mit Kissen als Schlagzeug und einer Mutter, die ihm geraten hat, in die größte Band der Welt einzusteigen. Manche Menschen haben einfach unfassbares Glück. Und andere heißen David Eric Grohl.