Marco Sfogli wurde im April 1980 von irgendeiner Hebamme aus der Röhre gezogen, irgendwo im Niemandsland zwischen italienischer Pasta und der traurigen Einsicht, dass Musik dich entweder zum Helden macht oder dich unter der nächsten Brücke leben lässt. Seine erste Performance? 1984. Vier Jahre alt. Während andere Rotzlöffel in seinem Alter noch damit beschäftigt waren, Lego-Steine zu kauen und in die Hose zu machen, stand Marco mit seinen Eltern auf einer Bühne im deutschen Schwetzingen. Richtig geraten, beim verdammten Encore. Er hat schon im Kindergarten gelernt: Wenn du ins kalte Wasser springst, dann mach es verdammt noch mal vor Publikum. 1989 kam die erste Washburn-Gitarre ins Haus. Ein Geschenk, das ungefähr so harmlos und unschuldig begann wie ein süßer Welpe, bevor er sich in einen reißenden Wolf verwandelte. Er hat nicht etwa „Hänschen Klein“ geübt, sondern Michael Jackson, Van Halen und Europe durchschrubbt. Das sind genau die Bands, die dir früh klarmachen, dass man eine Gitarre nicht zärtlich streichelt, sondern sie quälen muss, bis sie um Gnade winselt.
Dann kam 1992 und Marco hatte diese glorreiche Idee: „Scheiß auf Gitarre, ich werde Schlagzeuger.“ Klingt nach Verrat? Im Gegenteil. Das war ein genialer Schachzug. Denn wenn du erst mal kapiert hast, wie diese Rhythmusknechte hinter ihren Schießbuden ticken, schreibst du später Riffs, die Schlagzeuger kollektiv zur Höchstform peitschen. 1996 war der Spuk dann vorbei. Dream Theater trat auf den Plan. Genauer gesagt: Images and Words. Dieses Album hat sein Hirn so dermaßen gegen die Wand geklatscht, dass er die Drumsticks in den Müll geworfen hat und zurück zur Gitarre gekrochen ist. Und seitdem hat er das Ding nie wieder losgelassen, zum Leidwesen aller anderen, die sich „Gitarrist“ nennen. 2005 kam dann der Moment, an dem die Metal-Welt kollektiv ihr Bier verschüttete: Marco flog nach Kanada, um für James LaBrie (der Typ von Dream Theater) das Soloalbum Elements of Persuasion einzuspielen. Plötzlich fragte sich jeder Gitarren-Nerd zwischen Tokio und Wanne-Eickel: „Wer zur Hölle ist dieser Italiener und warum spielt er Soli, die klingen, als kämen sie direkt aus der Hölle?“ Seitdem ist Marco für LaBrie das, was die Salami auf der Pizza ist.
Er hat geschrieben, produziert, gemixt und vermutlich war er auch der Typ, der nach den Proben den Müll aus dem Studio entsorgt hat. 2012 folgte reMarcoble (ja, dummes Wortspiel, wir wissen es alle...). Und 2013 stand er natürlich wieder mit LaBrie im Studio, weil der Mann offenbar eine ungesunde Abhängigkeit von Marco entwickelt hat. 2015 krallte sich die Elite des Progressive Rock, PFM (Premiata Forneria Marconi), den Jungen als neuen Gitarristen. Wir reden hier von Legenden. Und Marco? Der passte da rein wie ein Ferrari auf der Zielgeraden von Monza, laut, schnell und verdammt sportlich. Damit das Adrenalin aber nicht stagniert, gründete er parallel Icefish mit Virgil Donati, Alex Argento und Andrea Casali. Eine Supergroup, die so komplex ballert, als hätte jemand den Schwierigkeitsgrad von Prog-Metal auf „Dark Souls Bosskampf“ gestellt. Wer das unfallfrei nachspielen will, sollte vorher sein verdammtes Testament machen.
Und dann wäre da noch sein Gear-Zirkus. Er hat alles durch: Washburn, Ibanez, Mesa Boogie... die Liste ist länger als die Steuererklärung eines Multimillionärs. Aber wer denkt, Marco bleibt aus Nostalgie irgendwo hängen, kennt ihn nicht. Der Mann ist ein Sound-Ästhet. Heute ist seine Waffe der Wahl die Charvel So-Cal St1 HSS FR. Warum? Weil dieses Teil genau die Drecksau ist, die er für seinen Sound braucht. Im Studio kombiniert er das Ganze mit Fractal, Kemper und einer Prise schwarzer Magie, um Soundwände zu bauen, die deine Lautsprecher ihre eigene Existenzgrundlage hinterfragen lassen. Er ist Musiker, Produzent, Engineer und ein Gear-Nerd der Endstufe. Kurz gesagt: Marco Sfogli ist einer dieser Typen, die dich erst inspirieren, eine Gitarre in die Hand zu nehmen, nur damit du sie fünf Minuten später frustriert in die Ecke feuerst, weil du realisierst, dass du niemals diesen Götter-Sound erreichen wirst. Außer vielleicht, du hast das gleiche verdammte Werkzeug wie er. Und genau deswegen hassen, lieben und bewundern wir ihn.