Geboren in Los Angeles, aufgewachsen zwischen Verstärkern und dem Rauschen kaputter Kabel, war Nita Strauss nicht gerade das Kind, das mit Barbie gespielt hat. Sie hatte früh eine andere Vorstellung davon, wie man mit sechs Saiten und ordentlich Verzerrung, die Nachbarn auf die Palme bringt. Während andere ihre Jugend damit verschwendeten, die Top 40 zu hören, hatte sie das Ziel in den Top 40 zu sein, und ließ sich von Iron Maiden, Alice Cooper und jeder Menge anderer Gitarren-Freaks inspirieren. Nita entschied ziemlich schnell: Ich will da rauf auf diese Bühne. Und ich will nicht einfach nur spielen. Ich will, dass alle anderen ihren Scheiß einpacken und sich einen Job in der Buchhaltung suchen. Gesagt getan. Heute ist Nita Strauss mehr als nur eine Gitarristin, sie ist ein verdammtes Naturereignis. Sie hat die Welt im Sturm erobert: USA, UK, Europa, Südamerika, Asien, Australien, Afrika, Atlantis, ganz egal wo, irgendwo hat Nita gerade ein Publikum weggeblasen. Und sie teilt sich die Bühne nicht mit irgendwelchen No-Names, sondern mit Alice Cooper, Jermaine Jackson, Femme Fatale, Critical Hit, The Iron Maidens (die weibliche Form des Originals), sie hat mit ihnen allen gerockt, und überall verbrannte Erde hinterlassen.
Aber das ist nur die halbe Story. Nita ist nicht nur live eine sexy Abrissbirne, sie ist ein nerdiges Genie, wenn es um den Sound geht. Ob auf Platten, in Game-Soundtracks wie Heroes of the Storm oder dem Grammy-nominierten Metal Gear Rising: Revengeance, oder in ihrer monatlichen Kolumne in Guitar World "Like a Hurricane": Sie liefert ab. Immer. Punkt. Und als wäre das nicht absurd genug, war sie auch noch die offizielle Haus-Gitarristin für die LA KISS. Ja, richtig gelesen: Das Arena-Football-Team von Paul Stanley und Gene Simmons. Das ist quasi die Thrash-Metal-Version von der NFL. Das Feld ist nur halb so groß. Es gibt Netze hinter den Endzonen. Alles ist schneller, enger, lauter und ehrlich gesagt, ein bisschen bescheuerter. Während sich auf dem Feld 2-Meter-Hünen gegenseitig in den Boden stampften, stand Nita am Spielfeldrand und hat die Nationalhymne so gnadenlos geshreddet, dass die Zuschauer vergessen haben, ihr Bier zu trinken. 2018 hat sie dann endgültig Musikgeschichte geschrieben: Als erste Frau überhaupt mit einem Signature-Modell von Ibanez, der JIVA. Dazu noch ein eigener Satz DiMarzio Pandemonium Pickups, die den Namen völlig zu Recht tragen. Wenn diese Gitarre sprechen könnte, würde sie schreien.
Und als wäre der Tag nicht schon lang genug, tourt sie nebenbei noch wie eine Bekloppte. Mehr Shows im Jahr als andere ihre Unterhosen wechseln, und das weltweit. Ihre Energie auf der Bühne ist ansteckend, ihr Können unbestreitbar, und ihre Mission klar wie ein Glas Vodka: keine Gefangenen, nur Fans. Derzeit ist sie weiterhin auf Tour mit Alice Cooper, bringt ihre eigenen Eisen (We Start Wars, The Starbreakers) zum Glühen und bastelt ihr erstes Soloalbum, Controlled Chaos. Der Titel lässt schon mal tief blicken. Denn wenn es eine Sache gibt, die Nita Strauss meisterhaft beherrscht, dann ist es genau das: kontrolliertes, musikalisches Chaos, das dir ordentlich Feuer unter dem Hintern macht und du dabei dämlich und verliebt grinst.