Die meisten von uns denken, Talent sei ein Geschenk Gottes. Bullshit. Talent ist oft eine Last. Darrell Abbott wurde in Texas in eine Country-Familie hineingeboren, was im Grunde bedeutet, dass sein Schicksal schon besiegelt war, bevor er die erste Kippe geraucht hatte. Sein Vater war Produzent, die Musik war da, aber Darrell wollte nicht den netten Jungen von nebenan spielen. Er suchte sich die hässlichsten, lautesten Einflüsse: Black Sabbath, Van Halen, Kiss. In seinen Teenagerjahren war er so gut, dass er bei lokalen Wettbewerben Hausverbot bekam, weil die anderen Kids deprimiert nach Hause gingen. Das ist der erste Punkt, den wir verstehen müssen: Wahrer Erfolg entsteht nicht dadurch, dass man versucht, reinzupassen, sondern dadurch, dass man so verdammt gut wird, dass man das System sprengt. So, und hier ist die Stelle, an der 99 Prozent aller Menschen versagt hätten:
1989 ruft Dave Mustaine an. Megadeth ist damals Gott. Er bietet Darrell den Job an. Reichtum, Weltruhm, ein Platz im Olymp des Thrash Metal. Und Darrell sagt: „Nur, wenn mein Bruder Vinnie die Drums spielt.“ Mustaine sagt: „Nein.“ Darrell sagt: „Dann leck mich.“ Das ist kein Marketing-Gag. Das ist ein fundamentales Lebensprinzip. Darrell verstand, dass ein Leben ohne loyale Werte, ohne die Menschen, die mit dir im Dreck lagen, absolut wertlos ist. Er blieb bei Pantera. Er wählte die Ungewissheit mit seinem Bruder über die Sicherheit des verdammten Ruhms. Und genau dieser Mittelfinger in Richtung Kommerz gab Pantera die nötige „Street Cred“, um die 90er Jahre im Alleingang zu ficken. Als Far Beyond Driven 1994 auf Platz 1 der Charts einschlug, passierte etwas sehr Seltsames. Pantera war die härteste Band der Welt, aber im Inneren begann der Scheiß zu rosten. Warum? Weil der Erfolg leider die hässlichsten Teile deines Charakters freilegen kann.
Phil Anselmo, der Sänger von Pantera, driftete in den Heroin-Sumpf ab, die Kommunikation starb, und aus Best Friends wurden Fremde, die sich über Anwälte und Presseinterviews unterhielten. Dimebag tat das, was wir alle tun, wenn unser Leben auseinanderfällt: Er versteckte sich in seiner Arbeit. Er baute ein Studio in seinem Haus in Arlington. Er versuchte, den Scheiß einfach wegzuspielen. Aber man kann ein brennendes Haus nicht löschen, indem man im Keller die Wände streicht. 2003 war das Ding tot. Pantera war Geschichte. Das Ende ist die ultimative Lektion über die Unberechenbarkeit des mathematischen Universums. Darrell war in Columbus, Ohio. Neue Band, Damageplan. Er war glücklich, er wollte einfach nur spielen. Und dann stürmt dieser Wahnsinnige Pantera Fan, Nathan Gale die Bühne. Er schießt Darrell in den Kopf, während der erste Song läuft. Warum? Weil Gale in seiner kranken Welt glaubte, Darrell sei schuld daran, dass Pantera sich getrennt hatte. Das ist die brutale Wahrheit: Du kannst alles richtig machen.
Du kannst loyal sein, du kannst hart arbeiten, du kannst ein verdammter Gott an der Gitarre sein und trotzdem kann dich ein Irrer an einem Mittwochabend in einem drittklassigen Club auslöschen. Das Leben schuldet dir keine Gerechtigkeit. Es schuldet dir gar nichts. Darrell wurde in einem „Kiss Kasket“ begraben, zusammen mit der gelb-schwarzen „Bumblebee“-Gitarre von Eddie Van Halen. Eddie selbst legte sie hinein und sagte: „Ein Original für ein Original.“ Dimebag Darrell hinterließ keine Ratgeber-Bücher oder tiefschürfende Zitate über Achtsamkeit. Er hinterließ Riffs, die sich anfühlen wie ein Schlag in die Magengrube und die Erkenntnis, dass man das Leben verdammt noch mal feiern muss, solange der Verstärker noch Strom hat. Er war der „Cowboy from Hell“, der uns zeigte, dass man gleichzeitig der krasseste Typ im Raum und derjenige mit dem größten Herzen sein kann.